Aspekte der Motorik im Akkordeonunterricht
Motorik ist die Gesamtheit der willkürlichen Muskelbewegungen. Bewegung ist
zum Leben fast unverzichtbar. Wir bewegen uns viel, solange wir uns die
Möglichkeiten dazu nicht durch Errungenschaften der Zivilisation wegnehmen
lassen.
Bewegung ist also Lebendigkeit. Bewegung ist auch Gesundheit und
Lebensfreude. Wir lieben das Skifahren oder das Laufen nicht zuletzt wegen
den Bewegungen, die diese Sportarten vom Ausübenden verlangen. Der Läufer
Andre Bucher äusserte in einem Interview, kurz nach seinem Olympiasieg im
vergangenen Sommer: "Das Laufen erzeugt intensive Glücks- und
Zufriedenheitsgefühle".
Bewegung lässt uns also uns selbst spüren. Diese Grundmotivation für das
Sich-Bewegen ähnelt stark unserer Motivation, selber Musik zu machen und
auch Kindern Musikunterricht zu erteilen. Das Musizieren, das Üben an sich,
empfinden wir als Mittel, unser Ich als solches wahrzunehmen.
Nun scheint mir aber die Motorik im Zusammenhang mit Musik manchmal in
einer leicht verschiedenen Schattierung wahrgenommen zu werden. Motorik
macht im Extremfall Musik seelenlos. Die Kunst der Bewegung gerät dann in
den Ruch von Virtuosentum.
Ich möchte über die Motorik speziell im Akkordonspiel ein wenig nachdenken. Mein Motor hierfür: Körperliche Bewegung, auch ohne ein Musikinstrument, ist mir etwas liebes. Das Körperwachstum, soweit es die Grosse betrifft, scheint im Alter von 20 Jahren zwar abgeschlossen. Das Ausprobieren von Bewegungen, das Verfeinern von Koordination und Dissoziation von verschiedenen Bewegungen, die Entwicklung des allgemeinen Körper-gefühls ist aber eine Aufgabe, die weit über dieses Datum hinausgeht. Vielleicht ist es, als ein Teil der Lernmöglichkeiten, die ein Mensch überhaupt hat, sogar eine Lebensaufgabe.
Jürgen Nigg
